Ferienfotos vs. Realität

Ferienfotos vs. Realität

Sonnenstrahlen, die sich situationsweise im Bier / Mai Tai / Wein spiegeln, vor Freude quietschende Kinder, Sandburgen, strahlende Eltern. Unsere Ferienfotos könnten neidisch machen (Tun sie auch, wie wir regelmässig aus der nebligen Heimat gefeedbackt kriegen). Fehlt nur noch die Videosequenz, in der wir als braungebrannte Vorzeigefamilie weiss gewandet der Brandung entlang hüpfen und sich unsere seeligen Kinder an den Händchen halten, während sie den Sonnenuntergang bestaunen.

Reisen ist anstrengend – allein, zu zweit, in der Gruppe. Man muss sich das befriedigende Gefühl, einen weiteren Flecken dieser Erde ansatzweise entdeckt zu haben, verdienen.
Wir reisen zur Zeit mit unseren zwei kleinen Kindern Nils (3) und Noomi (1) durch L.A. und Hawaii und verbringen eine wunderschöne Zeit – aber nicht nur. Unter uns: Es ist anstrengender, als ich dachte.

Ich bin ganz Zen. Not.
Ich bin ganz Zen. Not.

Die Fotos, die wir nach Hause schicken, haben ähnlich viel mit der Realität zu tun wie die Rüebliauswahl im Globus mit der tatsächlichen Ernte. Selten drücken wir ab, wenn sich unser kleiner Mann zwischen Liegestühlen mit geballten Fäusten hinstellt und lauter kreischt als jedes amerikanische Feuerwehrsirene, weil er KEI-NE BADE-HOSEN AN-ZIE-HÄÄÄÄN WILL!! Wir haben keinen Finger frei zum knipsen, wenn unser Töchterli während dem Znacht im Restaurant wahlweise Papi oder Mami als mobiles Klettergerüst (respektive Gumpiburg) missbraucht und den Kindersitz verächtlich wegkickt. Es gibt keine Fotos von uns Eltern, wie wir uns auf die Kappe geben, weil nun auch noch der letzte vom Kind akzeptierte Nuggi irgendwo liegen geblieben ist.

Das Gute daran: Wir werden diese undokumentierten Momente vergessen und uns dankbar an die Zeit erinnern, die wir gemeinsam verbringen dürfen. Die Schönsten halten wir fest und schicken sie nach Hause.
Wer auch eine Reise plant und seine Liebsten nur mit den schönen Momenten torpedieren will, kann es uns gleich tun:

Für unsere Familie und Freunde haben wir einen Stream auf der iCloud-Fotofreigabe von Apple eingerichtet.
Mit Day One schreibe ich auch zu Hause stichwortartig Tagebuch. Mit Fotos, Ortserkennung und Tags für wichtige oder wiederkehrende Momente.
Mit der gratis Post Card Creator App von der Post kann man pro Tag eine Postkarte mit persönlichem Foto verschicken. Gibt’s für iOs und Android.
Layout , eine Gratisapp, verbindet einzelne Fotos schnell zu einer Collage.

Packen: Ich war kurz auf dem WC.
Packen: Ich war kurz auf dem WC.

Dieser Text wurde erstmals am 02.11.2015 auf Blick.ch veröffentlicht. 

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